Kalkulationsbasis

nach Dr. Siegfried Wiegand †

Kalkulation Kalkulation des Verkaufspreises, auf welcher ökonomischen Ebene auch immer, muß mehr sein als Rechnen allein. Seit Urbeginn des wirtschaftlichen Denkens hat sich das Chefelitär-geheimnissvolle Denken um diesen Basis-Faktor des Geldverdienens erhalten. Deutlicher wird der Begriff um dieses lateinische Lehnwort auch nicht nach einem Blick ins Lexikon: „Ermittlung der Kosten für die Leistungs-einheit“ steht da; aber es ist ja nicht damit getan, die Kosten zu ermitteln – der angestrebte Gewinn, auf die Kosten aufgeschlagen und der damit verbundene Faktor des Marktes und dessen Bereitschaft, einen Aufschlag zu akzeptieren sind entscheidend. Begriffe wie Mischkalkulation und Unkostendeckungsbeitrag schleichen sich über den Schreibtisch des Chefs, wenn er kalkuliert.

Der Inhaber der Möbelfabrik, in der ich vor 40 Jahren mein Kaufmannsleben begann, kalkulierte deshalb ausschließlich über der berühmten Daumen, beginnend mit der rhetorischen Frage an seine Mitarbeiter: „Was kann das Stück bringen?“

Aspekte, die sich wohl heute auch noch dem Mittelständler in unveränderter Bedeutung ergeben. Als Vorteil gegenüber seinem großen Konkurrenten, der das alles mit dem Computer und der Kalkulationsabteilung macht.

In meinem Stammlokal, Familienbetrieb seit über 100 Jahren, gibt es bis zum heutigen Tag ein saftiges großes Schweinekotelett mit Kartoffelsalat zum Preis von DM 4,50 incl. Mehrwertsteuer und Bedienung.

Ich habe versucht, dieser Kalkulation einmal nachzugehen und habe die einzelnen Kostenfaktoren als Basis für die Endkalkulation aufgelistet: Fleisch, Fett zum Braten, Brösel, Eigelb, Kartoffeln, Mayonnaise, Putzmittel, Bestecke, Reinigung und Dienstleistungen in der Küche, Servieren, Abwaschen, Tisch säubern, Steuern etc. – mein Kotelett müßte mindestens DM 7,80 kosten!

Mein Gastwirt fährt einen Mercedes 500 und zeigt auch sonst die zeitgemäßen Symbole eines erfolgreichen mittelständigen Unternehmers. Seine Wirtschaft ist immer voll, ohne überfüllt zu wirken und die Gäste essen und trinken nach Herzenslust. Weil das Kotelett und auch Brathähnchen so günstig sind, wird ein Bier und ein Schnäpschen mehr getrunken und da liegt der Verdienst. Mischkalkulation a la Familienbetrieb mit gesundem Menschenverstand und einem selbstverständlichem Service, der seinen Ursprung in der Gewißheit des überschaubaren Gewinns hat. Mit dem preisgünstigen und schmackhaften Kotelett aus Omas Vorkriegspfanne als Incentiv, wie die modernen Betriebswirtschaftler sagen würden.

Mein Wirt hat das in des Fingerspitzen mit der Familienverbundenheit als Kostendämpfungsfaktor.


Zum Nachempfinden empfohlen.

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Unsere scharf kalkulierten Preise enthalten u. a. ...

(frei nach "Nachtrestaurant Zur Kerze/Bonn")

Euroumstellungskosten, Bedienungsgeld, Mehrwertsteuer, Einkommenssteuer, Kirchensteuer, Gewerbesteuer, Solidaritätszuschlag, Schankerlaubnissteuer, Grundsteuer, Pacht, Branntweinsteuer, Solidarzuschlag, Sektsteuer, Kaffeesteuer, Teesteuer, Biersteuer, Salz und Gewürzsteuer, Denkmalschutzsteuer, Automatensteuer, Vergnügungssteuer, Leuchtmittelsteuer, Feuerschutzsteuer, Feuerlöscher, GEMA-Gebühren, Gesundheitszeugnisgebühren, Getränkeleitungsgebühren, Schornsteinfegergebühren, Kanalgebühren, Müllabfuhr, Sondermüll, Mietabgaben, Makatell-Gebühren, Telefongebühren, Erlaubnisgebühren, Sperrstundenverkürzungsgebühren, Beiträge zur Berufsgenossenschaft, Sozialversicherungsbeitäge, Krankenversicherungsbeiträge, Beiträge zur Haftpflichtversicherung, Rechtschutzversicherung, Feuerversicherung, Einbruchdiebstahlversicherung, Wachhund, Leitungswasserversicherung, Betriebsunterbrechungsversicherung, Zinsen aller Art, Vermögensbildende Leistungen, Energiekosten, Werbekosten, Werbungskosten, Spenden, Löhne und Lohnfortzahlungen, Steuerberatungskosten, Anwaltskosten, Briefmarken, Postgebühren, Parkgebühren, Knöllchen, Gerichtskosten, Säumnisszuschläge, Material und Geräteverschleiß, Kreditkartenkosten, Kfz- Kosten, Stellplätze, Innovationskosten, Farbstoffe und Konservierungsmittel, Seifen und Duftspender, Zu- und Abwasserkosten, Pauschalumlagen für Altersversorgung, Kammerjäger, Kosten für Klopapierrollen, Reinigungskosten, Lebensmittelüberwachung, Druckkosten aller Art, Fahndungskosten nach Zechprellern, Subventionskosten, Verpackungen außer Haus, Taxiruf, Beiträge zur Arbeitslosenversicherung, Dekorationskosten, Wartungsverträge, Bürokosten, Roh- Hilfs- und Betriebsstoffe, Gagen, Honorare, Kosten für Diebstahl und Vandalismus, Bruch und Schwund, Lagerhaltung, Pflegeversicherung, Duales System, Verpackungssteuer, Fett und Speiseresteentsorgung ...

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